home Embaixada Setor Consular Atualidades Procura Contato home Botschaft Konsularabt Aktuelles Suche Kontakt Land Politik Kultur Wirtschaft Wissenschaft Umwelt Sport Tourismus
Menu

Volkskunst

Als die Portugiesen im 16. Jahrhundert in Brasilien eintrafen, kam es zu einer ersten Begegnung europäischer Kultur- und Kunstformen mit dem Brauchtum der einheimischen Indianer, deren rituelle Feste, Tänze und Gesänge tief in ihren Mythen und Legenden wurzelten. Masken und Federschmuck, Flechtwerk und Töpfereien waren entweder Bestandteil religiöser Kulthandlungen oder dienten dem alltäglichen Gebrauch. Aus der Vermischung europäischer Traditionen und Wertvorstellungen mit den Kulten der Indianer und bald auch Einflüssen aus der Kultur der eingeführten afrikanischen Sklaven entstand eine neue, brasilianische Volkskunst, die in ihrer Vielseitigkeit und in ihrem Reichtum unvergleichlich ist.

Keramik und Bildhauerei

In den Kunstgewerbeläden und auf den großen Märkten im Nordosten Brasiliens bieten Töpfer und Händler eine Vielfalt an bemalten Tongefäßen und Keramikfiguren an. Unter den für Wasser und andere Vorräte bestimmten oder als reine Dekoration gearbeiteten Tonwaren ist auch heute noch gelegentlich ein kleines Kunstwerk zu finden. Weit über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt wurden Kunsthandwerker wie Severino, für den Arbeiten aus unglasiertem Ton charakteristisch sind, Mestre Vitalino, der wohl berühmteste Keramiker, dessen bunt bemalte Figuren einfache Motive wie Stiere, Viehhirten des Sertão und Musikanten darstellten, und Zé Caboclo, der wie Vitalino aus der Stadt Caruaru im Staat Pernambuco, dem Zentrum folkloristischer Keramik, stammte und neben Heiligenfiguren Szenen des täglichen Leben darstellte, wie Handwerker bei der Arbeit, Volksfestgruppen, Tänzer und Musikkapellen.

Die zeitgenössischen Töpfer folgen alten indianischen Traditionen, die schon lange lebendig waren, als die Portugiesen im 16. Jahrhundert ins Amazonasgebiet vordrangen. Schon Anfang des ersten Jahrtausends entstand auf der Insel Marajó in der Amazonasmündung eine Keramikkultur, die in fünf, nach den hauptsächlichen Fundorten benannte Perioden unterteilt wird. Von ihnen ist die Marajoara-Periode (900 v. Chr. - 1350 n. Chr.) mit ihren reich verzierten Graburnen und Vasen die berühmteste.

In der Region von Santarém, einem weiteren Keramikzentrum, schufen Töpfer Gefäße und Igaçabas (Graburnen), die für ihre Bemalungen und die plastisch aufgesetzte Dekoration mit phantasievollen, stilisierten Tier- und Menschenformen als Sammlerobjekte beliebt sind. Die Cunani- und Maracá-Kulturen (am nördlichen Ufer der Amazonasmündung im heutigen Pará) zeichnen sich ebenfalls durch ihre meisterhaft dekorierten Graburnen aus.

Volkstanz

In den brasilianischen Volkstänzen und Tanzspielen mit ihren regionalen Unterschieden und Variationen verbinden sich Elemente aus dem europäischen, afrikanischen und indianischen Kulturkreis zu einer einzigartig bunten Mischung. Sie reichen von der dramatischen Darstellung der Kriege zwischen Portugiesen und Indianern, den Caboclinhos und Caiapós, die in den Staaten Pernambuco und Alagoas vorgeführt werden, bis zur Cavalhada von Pirenópolis im Staat Goías, einem dreitägigen Festspiel, das die Kämpfe zwischen Christen und Mauren auf der iberischen Halbinsel zum Thema hat. Die Cavalhada ist in der Tradition der mittelalterlichen Ritterspiele verwurzelt.

Capoeira

Capoeira, ein ritueller, stilisierter, mit eigener Musik ausgestatteter Kampftanz, wird vor allem in der Stadt Salvador, Bahia, gepflegt und stellt eine für Brasilien charakteristische Verbindung von Tanz und Kampfsport dar. Sie entwickelte sich aus einer in Angola entstandenen Kampfart, in der die Kämpfenden sich mit einem oder beiden Armen auf dem Boden abstützten und versuchten, den Gegner mit Schlagbewegungen der Beine und des Kopfes zu Fall zu bringen. Zwar wurde Capoeira noch im 19. Jahrhundert als Kampfmittel eingesetzt, heute ist es zu einem beliebtenspielerischen Wettbewerb geworden, bei dem die Tänzer einem Ehrenkodex unterliegen. Schon in der frühen Sklavenzeit hatten die Schwarzen ihre Auseinandersetzungen vor den Sklavenhaltern als sportlich-athletischen Tanz getarnt. Mit der Zeit wurde daraus ein komplexer, ritualisierter Sporttanz mit Radschlagen und wirbelnden Handständen ohne jede Körperberührung, der von Gesang und Instrumentalmusik begleitet wird. Zu den Musikinstrumenten, die zur Capoeira spielen, gehört der Berimbau, eingebogener Holzstock, der von einem Ende zum anderen mit einer Metallsaite bespannt ist. Ein bemalter Flaschenkürbis, der als Resonator dient, ist unten am Berimbau befestigt. Der Spieler schüttelt den Bogen, und während die Kürbiskerne rasseln, schlägt er die gespannte Saite mit einer Kupfermünze und erzeugt einen nasal-schwirrenden Laut.

Volksspiele

Neben den Volkstänzen sind in Brasilien zahlreiche Volksspiele sehr beliebt, Tänze mit szenischen Darstellungen, die ursprünglich in religiöse, rituelle Handlungen eingebunden waren. Im Laufe der Jahrhunderte jedoch wurden ihre religiösen Bezüge durch die Vermischung der diversen brasilianischen Kulturen überlagert oder gingen verloren. Prägend für die heutigen Volksspiele war der portugiesisch-katholische Einfluß der Danças Dramáticas (dramatischen Tänze), deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückverfolgt werden können. Nach Mário de Andrade lassen sich diese Tanzdramen in vier Hauptgruppen unterteilen, in die Reisados, Cheganças, Pastoris und Ranchos.

Reisados

Die nicht nur zum Dreikönigsfest gespielten Reisados bestehen aus 24 Volksstücken, von denen das bis zu acht Stunden dauernde Tanz- und Gesangspiel Bumba-Meu-Boi am beliebtesten ist und in vielen Variationen mit Sprechszenen, Liedern und Tänzen aufgeführt wird. Im Mittelpunkt des Boi-Dramas steht der Ochse (Boi), der auf satirisch dargestellte Vertreter der lokalen Gesellschaft trifft. Alle Teilnehmer an dieser volkstümlichen Posse mit mystischen Zügen sind maskiert und verkleidet. Die Attrappe des Ochsen wird von mehreren Spielern bewegt.

Cheganças

Chegança wird um die Weihnachtszeit gespielt und getanzt. Das Volksstück erzählt von der Landung der Mauren in Portugal, ihrer Niederwerfung und schließlich ihrer Taufe durch die Christen. Im Nordosten des Landes flossen in die Cheganças viele Elemente der beliebten Seemannsepen und Ritterdramen ein.

Pastoris

Pastoris wurden ursprünglich vor der Krippe zur Einleitung der Weihnachtsmesse aufgeführt. Heute dagegen haben sie weltlichen Charakter angenommen. Mädchen und Frauen defilieren durch die Straßen in “roten und blauen” Reihen. Jede Reihe stellt eine Figur (Lehrer, Zigeuner, alter Mann, Diana, Engel), oder auch einen abstrakten Begriff (Nächstenliebe, Freiheit, Friede etc.) dar. Die jungen Schäferinnensingen und schlagen ihre Tamburine, von Gitarren und einem Solo-Blasinstrument begleitet.

Ranchos

Ranchos, allegorisch-folkloristische Tanz- und Gesangsvorführungen, gehörten ursprünglich zu den Volksspielen der Weihnachts- und Nachweihnachtszeit. Daraus entwickelten sich die ersten, einfachen Formationen des Karnevals in Rio, kostümierte, Ranchos Carnavalescos genannte Gruppen von Tänzern, die zu langsamen, getragenen Marschrhythmen und jedes Jahr eigens komponierten Melodien romantische Liebesgeschichten darstellten und einzelne Stadtteile Rios repräsentierten. Sie konkurrierten um Anerkennung und Preise und waren die eigentlichen Vorläufer der heutigen Samba-Schulen, die nach dem Vorbild der Rancho-Gruppen Fahnenträgerin, Zeremonienmeister und die Pastoras, die Tänzerinnen und Sängerinnen, in ihre Formationen übernahmen.

 
Image Links:
Kultur