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Rückgang der Rodungen im Amazonasgebiet

MMA-26/10/2006 Mitteilung des Umweltministeriums

Brasilianische Regierung schätzt den Rückgang der Rodungen im Amazonasgebiet auf 30 Prozent

26.10.2006 Marluza Mattos MMA-26/10/2006

Die Rodungen im Amazonasgebiet sind zwischen dem 1. August 2005 und dem 31. Juli 2006 nach Berechnungen des Überwachungsprojektes Prodes (Projeto Monitoramento do Desmatamento na Amazonia Legal) des Raumforschungsinstituts Inpe (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais) um 30 Prozent zurückgegangen. Die Zahlen wurden am 25. Oktober 2006 im Rahmen einer Veranstaltung im Palácio do Planalto offiziell vorgestellt. Damit sind die Rodungen zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Im Beobachtungszeitraum 2004-2005 hatte der Rückgang 31 Prozent betragen. Staatspräsident Lula da Silva führt das Ergebnis auf das abgestimmte Handeln der Regierungsstellen zurück. Die Entscheidung, sich um die Belange Amazoniens zu kümmern, wurde nicht einseitig von einem Umweltschützer, Minister oder Staatspräsidenten getroffen. Es war der kollektive Entschluß der politischen Öffentlichkeit, einer Regierung, die bestrebt ist, unsere Fauna, unsere Wälder und unser Wasser zu schützen, so der Staatspräsident bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Die Auswertung erfolgte auf Grundlage von 34 Satellitenbildern, die zwei Drittel der zwischen 2004 und 2005 verzeichneten Rodungen Rodungsgebiete abdecken. Auf Basis dieser Satellitenaufnahmen hat das Inpe, das dem Ministerium für Forschung und Technologie untersteht, die Rodungszahlen für den letzten Beobachtungszeitraum erstellt. Die Schätzung kann erst offiziell bestätigt werden, wenn das konsolidierte Datenmaterial vorliegt. Nach der vorliegenden Schätzung waren im Beobachtungszeitraum 2005-2006 13.100 km² von Rodungen betroffen. Das ist der zweitniedrigste Wert seit Beginn der jährlichen Erhebungen durch das Inpe im Jahr 1988. Wenn die Beobachtungszeiträume 2004-2005 und 2005-2006 zusammengerechnet werden, ergibt sich ein Rückgang der Rodungen um 52 Prozent.

„Mit der erforderlichen Umsicht ist es möglich, die Amazonasregion zu entwickeln. Es ist möglich, dort eine saubere Entwicklung in Gang zu setzen“, sagte Staatspräsident Lula da Silva, um anschließend die Souveränität Brasiliens über das Gebiet zu betonen: „Die Amazonasregion gehört zu Brasilien. Unsere Souveränität über unser Staatsgebiet steht außer Zweifel. Wer die Amazonasregion kennenlernen möchte, muß um das Einverständnis Brasiliens ersuchen. Wer sie wirtschaftlich nutzen möchte, muß um das Einverständnis Brasiliens ersuchen. Wir geben die Souveränität und Kontrolle über diese einmalige Naturlandschaft nicht auf. Das ist völlig ausgeschlossen“, betonte Lula da Silva.
Umweltministerin Marina Silva legte dar, wie wichtig die von 13 Ministerien unter der Leitung des Präsidialamtes geleistete Arbeit war, aus der unter anderem der Aktionsplan für die Vermeidung und Kontrolle der Entwaldung resultierte, der 2004 aufgelegt wurde. Das Projekt zu Überwachung der Rodungen in Amazonien, Prodes, ist Teil einer breitangelegten Strategie. „Alle diese Ministerien arbeiten zusammen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Dabei handelt es sich nicht um kurzfristigen Aktionismus, sondern eine strukturierte Zusammenarbeit. Neben der Bekämpfung wichtiger Faktoren für die Entwaldung ist es uns gelungen, durch eine Änderung des Entwicklungsmodells in der Region einen selbstverstärkenden Prozeß für den Schutz der Amazonasregion in Gang zu setzen“, so Marina Silva.

Der Aktionsplan ermöglichte unzählige Initiativen auf verschiedenen Tätigkeitsgebieten der Regierung. Aufgrund dieser Anstrengungen wurden 814.000 Festmeter Holz sowie 417 Schlepper, 171 Lastkraftwagen und 643 Motorsägen beschlagnahmt, die bei illegalen Rodungen zum Einsatz gekommen waren. Ferner wurden Geldbußen in Höhe von R$ 2,8 Milliarden verhängt. Die Bundespolizei und die Umweltbehörde Ibama haben in der Amazonasregion 11 umfangreiche gemeinsame Aktionen durchgeführt, dabei wurden 379 Personen verhaftet. In den Konfliktregionen und landwirtschaftlichen Expansionsgebieten wurden weiterhin 19 Millionen Hektar Land in Schutzgebiete umgewandelt. 93.000 km² Indianergebiete wurden homologiert, und nachhaltige Ansiedlungsprojekte erreichten eine Fläche von 3.760 km². Weiterhin wurden 66.000 illegale Grundbucheintragungen verhindert, und Flächen von 80.000 km² im unmittelbaren Einzugsgebiet der Fernstraße BR 163 sowie 150.000 km² entlang der BR 319 wurden vorläufig unter Schutz gestellt (Limitação Administrativa Provisória).

Auch die Förderinstrumente wurden angepaßt, um die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen der Region zu fördern. Die Förderfonds (Fundos Costitucionais) wurden mit neuen Richtlinien und Vergabekriterien ausgestattet. Die Programme zur beruflichen Weiterbildung, insbesondere in nachhaltiger Forstwirtschaft und schonender Nutzung natürlicher Ressourcen, wurden ausgebaut.

Nach Angaben der Umweltministerin war die Beteiligung der Zivilgesellschaft entscheidend für den Erfolg des Aktionsplanes. „Die Zivilgesellschaft hat ihre Beiträge geleistet. Wir haben diese lediglich in politische Maßnahmen umgesetzt. Das ist eines der Markenzeichen der Regierung Lula.“ Marina Silva erinnerte daran, daß NGOs, Universitäten und Forschungsinstitute eine transparentere Handhabung der Rodungsdaten gefordert hatten. Das System zur Echtzeitkontrolle von Rodungen Deter (Sistema de Detecção de Desmatamento em Tempo Real) auf Basis von Satellitenbildern hat diese Informationen zugänglich gemacht und ist ein wichtiges Instrument für die Überwachungsmaßnahmen der Umweltbehörde Ibama. „Allein im laufenden Jahr hat die Ibama 95 große Operationen durchgeführt. Die Bekämpfung der illegalen Praktiken bekam so eine neue Qualität“, ergänzte Marina Silva.
Marina Silva sieht den Moment gekommen, Kommandoaktionen mit Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung zu kombinieren. „Die Einrichtung des 1. Distrikts für nachhaltige Forstwirtschaft im Gebiet der BR 163 ist ein Meilenstein für die künftige Entwicklung. Hier können 100.000 Arbeitsplätze geschaffen und 400Mw Elektroenergie erzeugt werden. Darüber hinaus kann der Staat mit zusätzlichen Steuereinnahmen von nahezu R$ 2 Milliarden rechnen”, sagte die Ministerin. Sie erwähnte in diesem Zusammenhang ferner die Bedeutung des Gesetzes für die Verwaltung der öffentlichen Wälder (Lei de Gestão de Florestas Públicas), das zu Beginn des Jahres mit der Unterstützung aller Parteien vom Brasilianischen Kongreß genehmigt wurde.

„Entgegen fälschlichen Annahmen handelt es sich nicht um einen irrwitzigen Vorschlag zur Privatisierung der Wälder. In Wahrheit ist es doch so, daß die Wälder seit Beginn der Nutzung vor 300 Jahren mit gefälschten Besitztiteln in den Grundbüchern eingetragen wurden. Das entspricht tatsächlich einer Privatisierung. Das Gesetz für die Verwaltung der öffentlichen Wälder stellt sicher, daß diese öffentlich bleiben und schafft die Voraussetzungen für den Schutz unserer Biodiversität und der dort lebenden Gemeinschaften.

Wie die Ministerin erklärte, läßt sich der geschätzte Rückgang der Rodungen über zwei zusammenhängende Beobachtungszeiträume nach einer Anregung von NGOs wie folgt veranschaulichen: „Mit einer während dieser zwei Jahre geschützten Fläche von 22.910 km2 Regenwald haben wir auch eine Milliarde Bäume, 40 Millionen Vögel und eine Million Affen erhalten. Gleichzeitig wurde die Emission von 100 Millionen Tonnen Kohlendioxyd vermieden.“
Die vorläufigen Daten des Prodes bestätigen eine Tendenz, die sich bereits im September aufgrund der Erhebungen mit dem Deter-System abzeichnete: Damals wurde ein Rückgang von mindestens 11 Prozent gegenüber dem vorherigen Beobachtungszeitraum festgestellt. Nach Angaben des Direktors des Inpe, Gilberto Câmara, ist die Differenz zwischen 11 Prozent und 30 Prozent darauf zurückzuführen, daß Deter Satellitenaufnahmen geringerer Auflösung als Prodes verwendet. Deter wird von der Umweltbehörde Ibama für die Echtzeitüberwachung eingesetzt und liefert alle zwei Tage neue Bilder. Das Prodes-System hingegen stellt sehr viel besser aufgelöste Bilder zur Verfügung, dies jedoch nur alle 16 Tage. „Wir arbeiten daran, den Idealzustand zu erreichen. Wir wollen die Aktualität von Deter und die Auflösung von Prodes in einem System, aber das war bisher nicht zu realisieren“, erklärte der Direktor des Inpe.
Das Inpe hat die Veröffentlichung der vorläufigen Daten des Prodes-Systems vorgezogen, um sie bei der 12. Konferenz der Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention im November in Nairobi zu präsentieren. Die brasilianische Regierung wird während der Konferenz die Einrichtung eines Fonds vorschlagen, der von den reichen Ländern auf freiwilliger Basis finanziert werden soll und dessen Mittel armen Staaten zufließen sollen, die ebenfalls auf freiwilliger Basis die Abholzungsraten nach einem zuvor festgelegten zeitlichen Schema verringern. „Die Anstrengungen zur Verminderung der Waldzerstörung führen uns zu einem Ausgleichsmechanismus für die Länder, die ihre Quoten vermindern. Länder wie Costa Rica und Neuguinea haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. Brasilien ist nicht verpflichtet worden, seine Treibhausgasemissionen zu verringern, macht aber trotzdem seine Hausaufgaben. Das ist beispiellos“, urteilte Umweltministerin Marina Silva.

 
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