Wissenschaftlich- technologische Zusammenarbeit
Die deutsch-brasilianische Kooperation im Bereich der Bildung und Ausbildung, die seit mehr als 30 Jahren im Bilateralen Programm für Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit fest verankert ist, wurde in den vergangenen vier Jahren beachtlich ausgebaut und erneuert. So konnte durch einen intensiveren politischen und fachlichen Dialog auf höchster Ebene ein höheres Maß an Autonomie und Flexibilität erreicht werden. Entsprechend avancierte Deutschland auf diesem Gebiet zum wichtigsten Partner Brasiliens.
Diese neue Etappe nahm im September 1996 mit dem Besuch des brasilianischen Bildungsministers Paulo Renato Souza in Deutschland ihren Anfang. Nur wenige Tage zuvor hatten die Gespräche zwischen Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl in Brasilia stattgefunden, worin der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der Bildung eine Vorzugsrolle eingeräumt worden war.
Die verschiedenen Programme erhielten beeindruckende neue Impulse, was sich in einem drastischen Anstieg der Anzahl brasilianischer und deutscher Stipendien für Doktoranden, Postdoktoranden und Postgraduierte in Aufbau- und Erweiterungsstudiengängen niederschlug:
1997 waren es bereits 770 Nachwuchswissenschaftler, davon 400 Brasilianer und 370 Deutsche, die auf diese Weise gefördert wurden, und dank dieser neuen Dynamik der Programme erhöhte sich die Gesamtzahl bis 1999 allein im Hochschulbereich auf 1.100 (580 Brasilianer und 520 Deutsche). Gleichzeitig wurden neue Formen und Bereiche der Zusammenarbeit geschaffen, wobei der effektiven Partnerschaft zwischen der Privatwirtschaft und den Hochschulen sowie der Forschung beider Länder eine besonders wichtige Rolle zukommt.
Beispielhaft für die ausgezeichnete bilaterale Zusammenarbeit ist das CAPES-DAAD-Programm für junge Ingenieure, das pro Jahr 100 brasilianischen Studenten der Ingenieurswissenschaften die Möglichkeit gibt, Praktika an den wichtigsten deutschen Industriestandorten zu absolvieren und an einigen der bedeutendsten Universitäten Deutschlands zu studieren. Diese Initiative wurde 1996 von Minister Paulo Renato Souza in Deutschland angeregt und zeigte bereits im ersten Jahr, 1998, so beachtliche Erfolge, daß die Fortsetzung und der Ausbau des Programms für nochmals vier Jahre gesichert wurde und 400 weitere Nachwuchsingenieure ihr vorletztes Studienjahr in Form eines Praktikums in der deutschen Industrie absolvieren können.
Dieser neue Dialog findet v.a. im Rahmen der Ständigen Arbeitsgruppe für Zusammenarbeit im Bildungsbereich (Grupo de Trabalho Permanente sobre Cooperação Educacional, GTP) statt, die von Minister Paulo Renato Souza ins Leben gerufen wurde. Hier sollen neue Schwerpunktbereiche definiert, die laufenden Aktivitäten beurteilt sowie Projekte vorgeschlagen werden, die Universitäten, Forschungseinrichtungen und die Privatinitiative in beiden Ländern gleichermaßen einbinden. Die Arbeitsgruppe wurde im März 1997 im Rahmen der Gemischten Deutsch-Brasilianischen Kommission für Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit beschlossen und nahm ihre Arbeit im März 1998 in Brasilia auf.
Tatsächlich ist es ihr gelungen, der bilateralen Zusammenarbeit einen neuen Stellenwert zu geben: sie unterstützte dabei die brasilianischen Bemühungen um eine Reform des Hochschulwesens und des Berufsbildungssystems. So konnte eine vielfältigere Auswahl an Ausbildungsprogrammen im Austausch mit Deutschland angeboten werden.
Der politische und fachliche Dialog wird seither intensiv geführt, wobei v.a. drei wichtige Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit besondere Erwähnung verdienen:
Während seines Arbeitsbesuches in Deutschland im September 1999 traf Minister Paulo Renato Souza in Begleitung einiger hoher Vertreter des brasilianischen Erziehungsministeriums wiederholt mit der deutschen Bundesministerin für Bildung und Forschung Edelgard Bulmahn und ihren Hauptberatern im Bereich Erziehung zusammen, um gemeinsam neue Leitlinien abzustecken.
Ebenfalls im September 1999 fand das zweite Arbeitstreffen der Arbeitsgruppe in Bonn statt, bei dem ein detaillierter Aktionsplan ausgearbeitet wurde, der unter Einbeziehung der von der CAPES und vom DAAD koordinierten Bildungs- und Forschungseinrichtungen einen Austausch zwischen Hochschuldozenten, Wissenschaftlern und Studenten unterschiedlicher Studienphasen im Rahmen von 20 Sonderprogrammen und mehr als 100 Projekten vorsieht.
Im April wurde in Bonn der erste deutsch-brasilianische Workshop für Bildung und Berufsorientierung veranstaltet, bei dem die Hauptverantwortlichen beider Länder in diesen Bereichen Leitlinien für eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit in der Berufsausbildung festlegten.