Natur
Brasilien ist kein Land mit einer Landschaft, sondern ein Kontinent mit sechs. Zwischen Regenwald und Dornsavanne liegen mehrere Klimazonen.
Welche großen Naturräume gibt es in Brasilien?
Die brasilianische Geografie unterscheidet sechs große Biome. Sie folgen grob den Großregionen, halten sich aber nicht an Verwaltungsgrenzen.
| Biom | Lage | Merkmal |
|---|---|---|
| Amazônia | Norden | Größter zusammenhängender Regenwald der Erde, das flächengrößte Biom des Landes |
| Cerrado | Zentralbrasilien | Baumsavanne mit knorrigen, feuerangepassten Gehölzen und tiefen Wurzeln |
| Caatinga | Nordosten, Landesinneres | Dornstrauchsavanne, einziges Biom, das ausschließlich in Brasilien vorkommt |
| Mata Atlântica | Küstenstreifen von Nordost bis Süd | Atlantischer Regenwald, artenreich, heute stark zurückgedrängt |
| Pantanal | Mato Grosso do Sul und Mato Grosso | Größtes Binnenfeuchtgebiet der Erde, jährlich überflutet |
| Pampa | Rio Grande do Sul | Grasland mit Viehwirtschaft, Übergang nach Uruguay und Argentinien |
Wo sieht man am meisten Tiere?
Nicht im Regenwald, sondern im Pantanal. Im Wald verbirgt das Blätterdach fast alles, in der offenen Feuchtsavanne stehen die Tiere am Wasser. In der Trockenzeit von Juni bis Oktober ziehen sich Kaimane, Wasserschweine, Störche und Aras an die verbleibenden Wasserläufe zurück, und die Chance auf einen Jaguar ist hier höher als sonst irgendwo in Südamerika.
Welche Naturziele sind die bekanntesten?
- Wasserfälle von Iguaçu an der Grenze zu Argentinien, ein hufeisenförmiges System aus vielen einzelnen Fällen, von brasilianischer Seite als Panorama, von argentinischer über Stege aus der Nähe
- Lençóis Maranhenses in Maranhão, ein Dünenfeld, das sich in der Regenzeit mit türkisen Süßwasserlagunen füllt
- Chapada Diamantina in Bahia, Tafelberge, Höhlen und Wasserfälle im Landesinneren
- Chapada dos Veadeiros in Goiás, Quarzitplateau im Cerrado mit klaren Flüssen
- Fernando de Noronha, Vulkaninsel im Atlantik mit begrenzter Besucherzahl und strengem Schutz
- Bonito in Mato Grosso do Sul, Flüsse von außergewöhnlicher Sichttiefe zum Schnorcheln
Was macht Amazonien so besonders?
Der Amazonas führt mehr Wasser als die nächsten mehreren großen Ströme der Erde zusammen. Sein Einzugsgebiet reicht über neun Staaten, der größte Teil liegt in Brasilien. Bei Manaus treffen der dunkle Rio Negro und der hellere Solimões aufeinander und fließen kilometerweit nebeneinander her, ohne sich zu vermischen, weil sich Temperatur, Dichte und Fließgeschwindigkeit unterscheiden. Dieses Encontro das Águas ist das meistfotografierte Naturphänomen des Nordens.
Wann ist die beste Zeit für Naturreisen?
Es gibt keine landesweit richtige Antwort, weil die Regenzeiten regional verschoben sind. Als Faustregel: Pantanal in der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober, Lençóis Maranhenses zwischen Juni und September, wenn die Lagunen gefüllt und die Wege befahrbar sind, Amazonien ganzjährig, wobei der Hochwasserstand zwischen Mai und Juli andere Bootstouren erlaubt als der Niedrigwasserstand. Details zur Reisezeit stehen unter Reise.
Wie steht es um den Schutz?
Brasilien hat ein dichtes Netz aus Nationalparks und Schutzgebieten, dazu indigene Territorien, die zusammen große Flächen abdecken. Gleichzeitig stehen Regenwald und Cerrado unter Druck durch Weideland, Ackerbau und Bergbau. Die Entwaldungsraten schwanken stark mit der politischen Lage und werden über Satelliten laufend gemessen. Wer aktuelle Zahlen braucht, findet sie beim brasilianischen Weltrauminstitut INPE, das die Daten offen bereitstellt.