Kultur
Ein Land, das aus indigenen, afrikanischen und europäischen Wurzeln etwas Eigenes gemacht hat. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in Sprache, Küche und Religion.
Welche Sprache spricht man in Brasilien?
Portugiesisch, und zwar als einziges Land Südamerikas. Das brasilianische Portugiesisch unterscheidet sich vom europäischen deutlich in Aussprache, Wortschatz und Grammatik: Die Vokale sind offener, das Sprechtempo gleichmäßiger, und die höfliche Anrede läuft meist über você statt über die dritte Person. Wer europäisches Portugiesisch gelernt hat, wird verstanden, klingt aber deutlich fremd.
Daneben werden mehr als 150 indigene Sprachen gesprochen, einige davon nur noch von wenigen hundert Menschen. Aus dem Tupi stammen viele Ortsnamen und Alltagswörter, darunter abacaxi für Ananas und Ipanema.
Was isst man in Brasilien?
Die Küche ist regional so unterschiedlich wie die Landschaft.
- Feijoada: Eintopf aus schwarzen Bohnen und verschiedenen Fleischstücken, traditionell samstags und mittags, dazu Reis, Orangenscheiben und geröstetes Maniokmehl
- Churrasco: Grillfleisch am Spieß aus dem Süden, im Rodízio wird so lange nachgelegt, bis der Gast das Kärtchen umdreht
- Moqueca: Fischeintopf mit Kokosmilch und Palmöl, in Bahia anders gewürzt als in Espírito Santo, worüber beide Bundesstaaten seit Generationen streiten
- Acarajé: frittierte Bohnenbällchen mit Garnelenfüllung, in Salvador von Baianas in weißer Tracht verkauft
- Pão de queijo: kleine Käsebrötchen aus Maniokstärke, Spezialität aus Minas Gerais
- Açaí: Püree der Amazonaspalmfrucht, im Norden herzhaft zu Fisch, im Süden gefroren und süß
Getrunken wird Kaffee zu jeder Tageszeit in kleinen Mengen, dazu Fruchtsäfte in einer Vielfalt, die es in Europa nicht gibt. Die Caipirinha aus Cachaça, Limette und Zucker ist das bekannteste Getränk mit Alkohol.
Welche Religionen prägen das Land?
Brasilien ist das Land mit den meisten Katholiken weltweit, gleichzeitig wächst der Anteil evangelikaler Kirchen seit Jahrzehnten stark. Daneben stehen die afrobrasilianischen Religionen Candomblé und Umbanda, die aus westafrikanischen Traditionen entstanden und in der Kolonialzeit unter dem Deckmantel katholischer Heiliger überlebten. Ihre Gottheiten, die Orixás, sind in Musik, Küche und Festkalender bis heute präsent, auch bei Menschen, die sich selbst nicht dazu zählen.
Welche Kunst und Literatur sollte man kennen?
Literatur
Von Machado de Assis über Jorge Amado bis Clarice Lispector.
Bildende Kunst
Von Aleijadinhos Barock über Tarsila do Amaral bis zur Konkreten Kunst.
Architektur
Kolonialbarock, Niemeyers Kurven und die geplante Hauptstadt Brasília.
Wie begegnet man einander?
Der Umgangston ist herzlicher und körpernäher als in Deutschland. Begrüßt wird mit Umarmung oder Wangenkuss, geduzt wird fast durchgehend, Nachnamen spielen kaum eine Rolle. Verabredungen sind eher Rahmen als Zeitpunkt. Wer das als Unverbindlichkeit liest, missversteht es: Verlässlichkeit zeigt sich in Beziehungen, nicht in Uhrzeiten.
Wo hört Kultur auf und Musik an?
Diese Grenze gibt es nicht. Tanz und Musik tragen die Kultur des Landes, die Feste sind ihr Kalender, und im Sport tauchen dieselben Bewegungsformen wieder auf.