Wirtschaft
Größte Volkswirtschaft Lateinamerikas, Agrarmacht und Industrieland zugleich. Und ein Stromnetz, das überwiegend aus Wasser gespeist wird.
Womit verdient Brasilien sein Geld?
Die Wirtschaft steht auf drei Beinen: einer sehr großen und stark exportorientierten Landwirtschaft, einem rohstoffreichen Bergbau und einer Industrie, die vom Fahrzeugbau bis zur Luftfahrt reicht. Dazu kommt ein Dienstleistungssektor, der den größten Teil der Beschäftigung stellt. Wichtigste Handelspartner sind China, die Vereinigten Staaten und die Europäische Union.
| Zweig | Erzeugnisse | Schwerpunktregion |
|---|---|---|
| Landwirtschaft | Soja, Mais, Zuckerrohr, Kaffee, Orangen, Rindfleisch, Geflügel | Centro-Oeste, Sudeste, Sul |
| Bergbau | Eisenerz, Bauxit, Mangan, Gold, Niob | Minas Gerais, Pará |
| Energie | Erdöl aus Tiefseefeldern, Ethanol aus Zuckerrohr, Wasserkraft | Küste vor Rio, Landesinneres |
| Industrie | Fahrzeuge, Flugzeuge, Maschinen, Chemie, Lebensmittel | São Paulo, Sul |
| Dienstleistung | Handel, Finanzen, Software, Tourismus | Metropolregionen |
Warum ist Brasilien in der Landwirtschaft so stark?
Wegen der Kombination aus Fläche, Klima und Forschung. Der Cerrado galt lange als unfruchtbar, bis Bodenverbesserung und angepasste Sorten ihn ab den 1970er Jahren nutzbar machten. Heute liegen dort die größten Sojaflächen. In vielen Regionen sind zwei Ernten pro Jahr möglich. Brasilien gehört bei Soja, Kaffee, Zucker, Orangensaft, Rindfleisch und Geflügel zu den führenden Erzeugern der Welt.
Die Kehrseite ist der Flächendruck. Weideland und Ackerbau schieben sich in Cerrado und Regenwald, was regelmäßig zu Konflikten um Landrechte und zu internationaler Kritik führt. Mehr dazu unter Natur.
Woher kommt der Strom?
Zu einem großen Teil aus Wasserkraft, ergänzt durch Windkraft im Nordosten, Biomasse aus Zuckerrohr, Erdgas und einen kleinen Kernenergieanteil. Der Anteil erneuerbarer Quellen am Strommix ist deutlich höher als in den meisten Industrieländern. Der Nachteil dieser Struktur zeigt sich in Dürrejahren, wenn niedrige Pegelstände die Erzeugung drücken und die Preise steigen.
Was hat es mit Ethanol auf sich?
Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre baute Brasilien eine eigene Kraftstoffversorgung aus Zuckerrohr auf. Seit den 2000er Jahren fahren nahezu alle neu verkauften Pkw als Flex-Fuel-Fahrzeuge, die Benzin und Ethanol in beliebiger Mischung vertragen. An der Tankstelle stehen beide Sorten nebeneinander, und der Preisvergleich am Zapfhahn ist Alltag.
Welche Industrie ist international bekannt?
Am sichtbarsten ist der Flugzeugbau: Regionalflugzeuge aus São José dos Campos fliegen weltweit. Dazu kommen Fahrzeugwerke internationaler Hersteller im Großraum São Paulo und im Süden, außerdem Maschinenbau, Stahl und eine große Lebensmittelindustrie. Die Freihandelszone von Manaus beherbergt Elektronikfertigung mitten im Regenwald, ein Ergebnis gezielter Ansiedlungspolitik.
Wo liegen die Schwächen?
Ein komplexes Steuersystem, hohe Zinsen, große regionale Unterschiede und eine ausgeprägte Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen. Der Süden und Südosten erwirtschaften einen überproportionalen Anteil der Wertschöpfung, während Teile des Nordostens deutlich zurückliegen. Infrastruktur ist ein Dauerthema: Ein Land dieser Größe mit vergleichsweise wenig Schiene transportiert fast alles über die Straße.