Geschichte
Das einzige Land Amerikas, das einmal Sitz eines europäischen Königshofs war und danach ein eigenes Kaiserreich hatte.
Wie kam Brasilien zu Portugal?
1500 landete eine portugiesische Flotte unter Pedro Álvares Cabral an der Küste des heutigen Bahia. Grundlage des Anspruchs war der Vertrag von Tordesillas von 1494, in dem Portugal und Spanien die noch unbekannte Welt entlang einer Linie im Atlantik aufgeteilt hatten. Der Name des Landes geht auf das Pau-Brasil zurück, ein Holz, aus dem roter Farbstoff gewonnen wurde und das die erste Handelsware war.
Welche Rolle spielte die Sklaverei?
Eine zentrale und über Jahrhunderte hinweg. Für die Zuckerrohrplantagen des Nordostens und später für Bergbau und Kaffee wurden Millionen Menschen aus Afrika verschleppt. Brasilien war das Land Amerikas, das die meisten Versklavten aufnahm, und es schaffte die Sklaverei als letztes Land der westlichen Welt ab, mit der Lei Áurea von 1888. Die Folgen prägen Gesellschaft, Sprache, Religion und Musik bis heute, siehe Kultur.
Warum residierte ein europäischer Hof in Rio?
1808 floh der portugiesische Hof vor Napoleons Truppen nach Rio de Janeiro. Damit wurde die Kolonie zum Sitz des Königreichs, mit Bank, Druckerei, Akademien und Botanischem Garten. 1815 wurde Brasilien formal zum gleichrangigen Teil eines Vereinigten Königreichs erhoben. Als der König 1821 zurückkehrte, blieb sein Sohn Pedro und erklärte 1822 die Unabhängigkeit. Brasilien wurde Kaiserreich und blieb es bis 1889.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1500 | Ankunft der portugiesischen Flotte an der Küste Bahias |
| 1808 | Der portugiesische Hof verlegt seinen Sitz nach Rio de Janeiro |
| 1822 | Unabhängigkeit, Ausrufung des Kaiserreichs |
| 1888 | Abschaffung der Sklaverei durch die Lei Áurea |
| 1889 | Sturz der Monarchie, Ausrufung der Republik |
| 1960 | Brasília wird Hauptstadt |
| 1964 bis 1985 | Militärherrschaft |
| 1988 | Neue Verfassung, Grundlage der heutigen Republik |
Was geschah zwischen 1964 und 1985?
Ein Militärputsch beendete 1964 die demokratische Ordnung. Es folgten zwei Jahrzehnte autoritärer Herrschaft mit Zensur, Verfolgung Oppositioneller und einer Phase starken Wirtschaftswachstums, das mit hoher Auslandsverschuldung erkauft wurde. In diese Zeit fallen große Infrastrukturprojekte, darunter Straßen durch Amazonien und Staudämme. Ab Ende der 1970er setzte eine schrittweise Öffnung ein, 1985 endete die Militärherrschaft, 1988 trat die bis heute gültige Verfassung in Kraft.
Wie entstand die heutige Hauptstadt?
Die Verlegung der Hauptstadt ins Landesinnere war seit dem 19. Jahrhundert diskutiert worden. Umgesetzt wurde sie erst Ende der 1950er Jahre unter Präsident Juscelino Kubitschek mit dem Versprechen, fünfzig Jahre Entwicklung in fünf Jahren zu schaffen. 1960 wurde Brasília eingeweiht. Näheres zum Bau steht unter Architektur.
Wie geht das Land mit seiner Geschichte um?
Kontrovers. Die Aufarbeitung der Militärzeit begann spät, eine Wahrheitskommission legte ihren Bericht erst 2014 vor. Beim Erbe der Sklaverei ist die Auseinandersetzung noch jünger: Quilombos, also Siedlungen entflohener Versklavter, sind heute verfassungsrechtlich geschützt, und die Frage nach Denkmälern und Straßennamen wird ähnlich geführt wie in Europa. Wer sich einlesen will, findet in der Literatur gute Zugänge.